Die dumme Angst

Meist schützt Angst uns vor giftigem Krabbelgetier und davor, die Abendspaziergangsrunde auf der A3 oder im U-Bahn-Tunnel zu drehen. Aber manchmal nimmt sie komische Formen an.
Völlig unvermittelt im Bus, beispielsweise. Weil es vorne links im Hals plötzlich so komisch geschnurpselt hat. Dann denkst du dir, dass doch da außer einigen Muskeln und einer Schlagader gar nichts ist, was schnurpseln kann, fragst dich, wie es sich wohl anfühlt, wenn ein Gerinsel durch so eine Ader gepresst wird und merkst, wie sich eine riesige, kalte, graue Hand auf deinen Rücken legt. Der Puls steigt, die Atmung geht schneller und du weißt, wenn du jetzt nichts tust, wird es Panik. Also schreibst du dem, der dir gerade am nächsten steht, eine Nachricht. Eigentlich willst du “Bitte schreib schnell was, ich versuche gerade, eine Panikattacke zu unterdrücken“ schreiben, entscheidest dich aber für “Na?“ und frickelst am Gurt deiner Handtasche herum. Wenn auf deine Nachricht keine Antwort kommt, schreibst du noch zwei oder drei Anderen, die diese Eigenschaft von dir kennen, ebenfalls ein “Na“ und hoffst, dass sich irgendein belangloses Gespräch ergibt. Weil man Angst vor völlig absurden Dingen nicht so richtig zugeben will und weil du mal gelesen hast, dass du die Angst wie eine Welle über dich hinüber rollen lassen sollst und weil das wirklich ganz gut hilft. Und weil aufschreiben hilft. Und Ablenkung.
Was da im Hals so komisch geschnurpselt hat, weiß ich immer noch nicht. Aber das möchte ich auch gar nicht mehr wissen. Glaube ich.