Wir spielen Wochenende. <3

Wochenende

Advertisements

Neongrau.

-1384005083

Ein Wochenende ist immer viel zu kurz, weil es, genau genommen, nur einen Tag, ein bisschen Schlaf und ein paar Herzschläge dauert.

Der Bus rollt leise durch die Pfützen an die Haltestelle, die Türen öffnen sich mit einem leisen Zischen und das Absenken der Einsteigeseite klingt genau wie das Seufzen in meinem Kopf. Oder in meinem Herzen, aber so genau lässt sich das nicht lokalisieren. Ich steige ein, stolpere unelegant über die Füße eines dickbauchigen Bildzeitungsherren und setze mich auf den letzten, freien Platz, der nicht mit den Resten der vorigen Nacht beschmiert ist. Die trockene Busheizungsluft strömt unangenehm von unten ins Gesicht, sorgt aber wenigstens dafür, dass sich der Kloß im Hals irgendwie erklären lässt.

“Zu Hause ist da, wo das Herz ist.“ sagen sie. Sogar meine kleine Lieblingsomi sagte das schon, und die wusste viel. Wie man den besten Gulasch macht, Mützen strickt und dass guter Kaffee Leben rettet. Wohl aber nicht, dass Stadtbusse genau wie Abschiede stinken.

Der korpulente Bildzeitungsherr raschelt mit seinem engagierten Umgeblättere gegen die Gedanken in meinem Kopf an und ich wünsche mir, dass diese Haltestellenansagedame doch auch mal kichernd etwas Nettes sagen könnte. So was wie “Haben Sie einen tollen Tag.“, “Immer schön durchhalten!“ oder “An der nächsten Haltestelle gibt’s Kekse.“. Stattdessen sagt sie “Nächster Halt: Hauptbahnhof. Endstation. Bitte alle aussteigen.“ und ich flüstere ein trotziges “Schmöschte aber nischt!“ in meinen viel zu langen Schal. Türzischen, Absenkeseufzen. Die Menschen wabern vom Drinnengrau ins Draußengrau, schauen auf den Boden und stellen ihren Mantelkragen auf.

Zuhause… Das ist immer da, wo es Bier gibt, warme Vanillesoße und warme Worte. Eine warme Decke, eine Umarmung und einen Kuss.

Rolltreppen hoch, festhalten, nicht denken, nicht!
“Auf Gleis 12 fährt ein…“ Es riecht nach Abschied, sonntags auf Bahnhöfen. Menschen halten erst sich fest und danach ihren Kaffee. Vielleicht der Restwärme wegen. Und vielleicht erklärt das auch, weshalb die Kaffeebecher ja immer riesiger werden.
Der Zug bremst, quietscht, hält. Ein letzter, suchender Blick zurück, die Türen öffnen sich, ich schiebe mich vorbei an Rollkoffern, Seesäcken und der obligatorischen Pudelrentnerin und suche meinen Platz. “Irgendwie metaphorisch“, schmunzele ich, ziehe meine Jacke aus und halte mich an meinem Handy fest, auf dessen Display gerade ein Herzchen aufploppt.
Da, wo das Herz ist…

Manchmal, ganz kurz, ist ein ICE-Sitz vielleicht auch ein Zuhause.