Ein "Du, ich mag dich!" zum Mitnehmen, bitte.

“Hier, guck mal, deins!” sagte meine Mutter und stellte mir scheppernd eine große Metallkiste vor die Nase. “Nürnberger Lebkuchen? MAMA!” fragte ich lachend, doch das Rascheln verriet einen anderen Inhalt. Die Kiste unter den Arm geklemmt ging ich in mein ehemaliges Kinderzimmer und ließ mich aufs Bett plumpsen. Und da sitze ich nun. In einem Berg von säuberlich gefalteten Minimalstzettelchen, parfümiertem Büttenpapier, herausgerissenen, zerknüllten Heftseiten und so liebevoll gestalteten Kunstwerken, dass die Bezeichnung “Brief” fast schon eine Beleidigung wäre. Begleitet von Gänsehaut, Ohjemine und einer Sturmflut an Erinnerungen. Briefe. Worte, die nachklingen, auch, wenn sie längst keiner mehr sagt. Zuneigung zum Festhalten. Und ein Stück Übrigbleiben, wenn einen das Leben längst an andere Küsten gespült hat. Manchmal habe ich ein klitzekleines bisschen Angst, dass wir in zehn Jahren vielleicht fast gar nichts mehr haben, was uns an uns erinnert. Ich muss mehr Briefe schreiben.

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