Olivenbaumsommer.

Ich muss losgehen. Ich weiß nicht, wohin, nicht, was ich einpacken soll, aber ich muss losgehen.

Ich muss vertrocknete Gärten durchlaufen und aufhören darüber zu staunen, wie sich Strohstoppeln in meine Fußsohlen bohren. Wenn man aufhört, sich darüber zu wundern, fühlt sich auch das Gleißen der Sonne auf der verbrannten Haut wie ein Windhauch an.

Es riecht nach Bitterorangen und nach trockener Erde und ein bisschen nach dir.

Vorbei an verwitterten Zaunbrettern und im Schatten dösenden, dünnen Katzen mit wachen Augen – es gibt keinen Grund stehenzubleiben, solange ich dein Herz schlagen hören kann.

Wenn ich müde werde, trägt mich die Erinnerung an Musik und ein bisschen trage ich mich selbst. Es sind keine Töne hier draußen, nur das kraftvolle, rhythmische Aneinanderschlagen von Zitronenfalterflügeln und dein Flüstern in meinem Kopf.

Ich laufe und ich laufe und will nichts essen außer Kirschen und nichts trinken außer dann und wann einen Wassertropfen, der von einem Blatt in meinen Mund fällt, um sich dort mit den Gedanken und den Kirschen zu einem Brei zu verbinden, der Bauch und Kopf gleichermaßen mit zärtlicher, süßer Schwere füllt.

Und während die Fische in den nur mehr halb gefüllten Bächen Lieder von Cowboys und Träumen singen, laufe ich weiter und versuche, mit mir selbst im Gleichschritt zu gehen. Mein Atem brennt dein Bild in die stehende Luft, und manchmal verschwimmt es zu flirrenden Luftschlieren, in die ich mit dem Finger Nachrichten schreibe. An dich. An mich. An den Sommer.

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Nur ein Tropfen aufs brennende Herz.

Manchmal sprechen wir von Liebe und geben einfach ganz leise gar nicht zu, dass wir dann und wann auch nicht wissen, was das eigentlich sein soll.

Manchmal liegen wir mit tanzenden Gedanken in Armen auf Decken in Parks, kauen Grashalme und meinen doch nur „Geh doch weg“.

Manchmal sagen wir, was denken, obwohl wir selbst nicht wissen, was wir fühlen.

Manchmal träumen wir uns in Länder, die es nicht gibt, um uns nicht geblendet zu fühlen von dem, was auf unserer Nasenspitze hin und her funkelt.

Und manchmal regnet es auch.

 

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Spanien – Berlin.

Und wenn es dein Herz wegen ihr schüttelt und meins wegen ihm oder wegen überhaupt ganz anderen Dingen, dann sind unsere Herzen manchmal ganz still und sitzen nebeneinander und trinken Kakao oder Tee, meistens aber viel zu viel Kaffee. Und dann stupsen sie sich an und müssen lachen über dies und jenes und kichern und seufzen und werfen sich ein Küsschen zu über gefühlte 5cm Distanz.

Manchmal sitzt eines der Herzen im kalten Treppenhaus und wartet frierend ein paar gefühlte Stunden, bis das andere Herz die Treppen herauf geschlurft kommt. Mit schweren Schritten, aber weggewischten Tränen, weil es ja irgendwie weitergehen muss. Dann nehmen sie sich ein bisschen in den Arm und halten sich fest und atmen sich heißen Atem an den Hals und kleckern mit Tränen und sagen so lange laut „Ach, ach“, bis mindestens eins wieder anfängt zu kichern, die Tür aufschließt und gar nicht „Komm doch mit rein“ sagen muss, weil das sowieso klar ist. Es gibt dann Rote-Grütze-Eis und Zombiefilme auf der Couch und ein paar verstohlene Seitenblicke und ein bisschen Kopf-auf-die-und-Arm-um-die-Schulter-legen.

Und wenn sich die ersten Vögel räuspern, macht eins ein paar Chansons an oder ein bisschen Drum’n’Bass, und wenn die Sterne in den Gehsteig-Pfützen Platz machen für die Sonne, essen sie ein paar Löffel Obstsalat und decken sich dann zu und halten sich noch ein bisschen fest.

Und eins flüstert “Danke, du!” – das ist heute meins. Dann schlafen sie ein und träumen und fühlen sich für eine Weile woanders hin.

Im Wissen, dass man Hände auch ganz fest halten kann, wenn sie viel zu weit weg sind.