Keksologie.

Keksologie

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Das Leben eben

Ganz zu Beginn schrieb’ ich davon, dass ich meinen Job liebe. Der Menschen wegen. Der Geschichten wegen.

Das stimmt so auch. Immer noch und jeden Tag auf’s Neue.

Und trotzdem (oder gerade deswegen) gibt es Abende, an denen ich mich verzweifelt frage, ob ich etwas hätte besser machen können. Anders.

Klar, ich bin keine Seelsorgerin. (Wobei, manchmal … vielleicht auch das) Aber wenn dann da eine wirklich sympathische Kundin steht und Beratung wünscht (“Ich bezahl auch gerne dafür! Was Sie wollen! Ich brauch erstmal nur Ihre Beratung – die Bilder erst nächste Woche!” – “Unsinn. Sie bezahlen nix. Dafür sind wir doch da!” – “Aber…” – “Um welche Bilder geht’s denn und was kann ich für Sie tun?”)

Und wenn die Kundin dann Bilder ihres Vaters aus der Tasche holt … und einem beim Blick in ihre Augen schon ein kalter Schauer den Rücken herunter läuft… wenn man versucht, freundlich und beruhigend und absolut grundehrlich die schönsten Bilder auszusuchen und Möglichkeiten der Bearbeitung aufzuzeigen … und dann mit einem Seitenblick feststellt, wie sehr Sie sich um Fassung bemüht…

“Weil… wissen Sie… es geht um eine… also nächste Woche ist die…” – “Ich weiß…”

… und wenn sie dann eine kleine, leise, verstohlene Träne weint … dann verliert die Welt für einen kurzen Moment den Boden.

Mitten ins Herz (Arbeitstitel: Mitten in die Fresse)

Wenn man beginnt ein Buch zu lesen, weiß man meist schon nach den ersten 20 Seiten, ob man es bis zu Ende lesen wird. Manche Büchern entwickeln sich dann zu echten Begleitern und lassen einen lachen oder weinen, schaudern, den Kopf schütteln oder alle zwei Seiten „Ge!Nau!So!“ denken. Sie können fesseln, umarmen oder wie ein flüchtiger Kuss sein. Ein Lehrmeister, oder manchmal auch der kleine, süße Traum, den man sich sonst kaum zugesteht. Oder ein Stückchen Erdbeertorte für den Kopf, vielleicht.

Und dann gibt es dieses eine Buch, das man aufschlägt und man beginnt zu lesen, mit einem warmen Gefühl im Herzen, und man weiß schon nach der ersten Seite, dass man es mögen wird. Und dann liest man weiter und ist begeistert und denkt sich Sachen wie „Oh, wundervoll!“ und „Hach!“ und „Oh mein Gott“ … und während man sich langsam aber sicher in einen Fieberwahn hinein liest, merkt man, dass einem dieses eine Buch gerade die volle Breitseite verpasst. Links, rechts, links und noch mal mitten rein.

 

 

Ich bin nicht halb so desillusioniert wie ich dachte.

(Und ich hatte nicht einmal angenommen, besonders desillusioniert zu sein. Aber irgendwo… wartet noch etwas ganz Großes. Ganz sicher. 🙂 Es _muss_ so sein.)

Einmal mit alles, bitte.

Waiting_

Das Leben ist groß und bunt und verrückt und manchmal macht es einem Angst, wie es da so liegt. Ein Geschenk in Glitzerpapier, das merkwürdige Musik und Quietschtöne von sich gibt. Man traut sich ja gar nicht so richtig, die bunte Schleife aufzuknoten und starrt es stattdessen voller Erfurcht an – mit der Angst im Hinterkopf, etwas kaputt zu machen oder von einem lachenden Teufel angesprungen zu werden.

Aber vielleicht … ist ja was Verderbliches darin?

Könnte ja sein…

 

Wir sollten mal nachschauen.

Unbedingt.

Wenn die Schwalben tief fliegen…

Ich hab‘ so große Sehnsucht…  Sehnsucht nach ganz weit weg.

Ich wünsch mir eine Nacht voller Sterne. So ruhig, dass man Nachtfalterflügel aneinander schlagen hört. Rotwein und Festhalten und diese Augen… Kinderlachen am Morgen, Obstsalat und Kaffee, vielleicht.

Ich möchte aus Muscheln und Treibholz Träume bauen, die nach Himbeeren riechen. Träume, die einfach von selbst halten, ganz ohne Nägel.

Draußen sieht’s nach Regen aus…

Was mit Menschen…

Es gibt Tage, an denen ich meinen Job liebe. Und es gibt Tage, da liebe ich ihn noch ein bisschen mehr.

Das sind nicht zwangsläufig die Tage, an denen man gelobt wird, an denen Kunden begeistert sind und Schokolade verschenken oder Geld. (Wobei das auch nicht schlecht ist. 😉 )
Tage, an denen die Sonne scheint, sind grundsätzlich besser. Die Menschen sind aufgeschlossener. Sie schauen mir direkt in die Augen, lächeln oder lächeln nicht… und erzählen Geschichten.

Die Rentnerin, die soeben von der großen Weltreise zurück gekehrt ist und auf dem Schiff den schönsten Haarschnitt ihres Lebens bekam. Frisch gebackene Eltern, die seit Tagen kein Auge zu getan haben und denen dennoch das Glück aus dem Herzen strahlt. Der Rabbi, dessen Synagoge mit rassistischen Beschimpfungen beschmiert wurde. Der ambitionierte Oldtimer-Fotograf (analog, selbstredend), der seine Bilder präzise zuschneidet und in alte Alben klebt. Frisch Vermählte und frisch Getrennte. Zum ersten Mal verliebte Teenager und kreative Studenten, die nachts nie schlafen. Nervöse Profi-Fotografen mit unmittelbar bevorstehenden Ausstellungsterminen und die uralte Dame, die seit Monaten versucht, ihr Gemälde von 1974 originalgetreu und noch farbechter als das vorangegangene Mal abzufotografieren. Der Bank-Berater, der in der Mittagspause immer nach Curry-Wurst riecht und die Frau mit dem weißen Pudel im roten Pullover. (Ja, der Pudel.) Fotostudio-Inhaber mit Termindruck und der immer gestresste, aber dennoch unheimlich sympathische Außendienstmitarbeiter der großen Holzverarbeitungsfirma. Und all die Anderen… die großen und kleinen Sorgen, die schönsten oder skurrilsten Momente.
Sie und die Bilder, an denen ihr Herz hängt… 

Wenn mich früher Erwachsene mit diesem musternden Blick und dem leicht süffisanten Unterton in der Stimme fragten “Und, was willst du nach der Schule mal machen?”, antwortete ich meist “Was mit Menschen” und fügte noch ein “… aber nichts mit Blut und nichts mit Zähnen!” hinten an… sicher ist sicher.

Aber ich glaube, besser als jetzt hätte ich es nicht treffen können. 
Ich liebe es.
Jeden Tag neu.